plays - 2002/2003 - "Somewhere in Illyria"

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Alle, die den Film "Shakespeare in Love" gesehen haben,  werden wissen, was "writer’s block" (Schreibblockade) bedeutet! Inzwischen habe ich es am eigenen Leibe erfahren: Noch am Anfang des Schuljahres hatte ich nicht die geringste Ahnung, worüber ich dieses Mal ein Stück schreiben würde! Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer standen in den Startlöchern, und ich vertröstete sie mit der Auskunft, mir würde bestimmt bald etwas einfallen. Zwei Entwürfe wanderten in den (Computer)Papierkorb und die Situation wurde ernst. In einer solchen Lage ist man für jeden noch so unscheinbaren Geistesblitz dankbar: Mir fielen plötzlich die Worte des Yehuda Almagor ein, der ein Jahr zuvor mit den Gruppen "Spectaculum" und "Understudies" eine "Theaterwerkstatt" durchgeführt hatte. Er hatte vorgeschlagen, nicht lange nach eigenen Ideen zu suchen, sondern von den Ideen anderer  Gebrauch zu machen - Shakespeare habe dies schließlich auch getan. Am nächsten Morgen öffnete ich die Zeitung an der Stelle, an der eine Aufführung von Shakespeares (da ist er ja schon wieder!) "Was Ihr Wollt" gelobt wurde. In just diesem Stück durfte ich als 14-Jährige am Gymnasium in Nottingham eine Rolle übernehmen.  Somit war die Entscheid-ung gefallen.

Selbstverständlich führen wir die Komödie nicht in Shakespeares Sprache auf: Obwohl man es den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern zutrauen kann,  den teilweise sehr schwierigen Text auswendig zu lernen und gut zu spielen, kann man es von den Zuschauern nicht erwarten, dass sie die Sprache des 16. Jahrhunderts verstehen,  also "borgte" ich Shakespeares Geschichte und schrieb sie in modernem Englisch neu. Einige Rollen mussten "umbesetzt" werden, z.B.  aus dem Hofnarrn Feste wurde Festina, Olivias beste Freundin. Einige Rollen mussten noch dazu erfunden werden, so hat Orsino eine Köchin, eine Fitnesstrainerin und eine Sekretärin, die nicht im Originaltext vorkommen. Viola erhält eine Freundin, die es in Shakespeares Komödie nicht gibt. Auch sind einige  Rollen umbenannt worden, obwohl wir "Shakespeareanisches" beibehalten haben: "Malvolio" wurde zu "Illwill", "Andrew Aguecheek" wurde zu "Andy Addlehead", Helena, Kate und Miranda kommen in Shakespeares Stücken vor, und zu guter Letzt heißt unser Photograph "Ronnie Macbeth"!

Beim Schreiben fiel es mir auf, wie wunderbar lustig die Komödie ist, stellenweise konnte sogar ich einige Zeilen Shakespeares so, wie er sie schrieb, gebrauchen. Ob jemand merkt, welche Ausdrücke es sind?

Die Zusammenstellung der "Understudies" ist jedes Jahr unterschiedlich - das ist immer eine sehr spannende Sache. Dieses Jahr haben wir viele Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer aus der Jahrgangsstufe 13; man muss es ihnen hoch anrechnen, dass sie trotz "Abi-Stresses" es auf sich genommen haben, monatelang intensiv zu proben. Erstaunlicherweise ist nur eine Schülerin aus der Jahrgangsstufe 12 dabei: Das ist uns noch nie passiert. Ich hoffe, dass einige mehr sich nächstes Jahr melden werden. Zwei Schülerinnen und ein Schüler, der eine gewisse "Familientradition" fortführt, spielen auch mit.  

Im September letzten Jahres habe ich meine alte Schule in Nottingham und meine Klassenkameradinnen von damals zum Teil zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder gesehen, ein sehr schönes Erlebnis!. Auf einem Rundgang durch die Schule stellten wir zu unserem Bedauern fest, man habe die Bühne, auf der wir so oft gespielt hatten, entfernt. Die Erinnerung allerdings blieb: vor allen Dingen an die vielen Stücke von Shakespeare und an unser selbstgeschriebenes  Kabarett, das wir nach dem Abitur aufführten. "School days are the best days of your life" war ein Spruch, den man damals öfter hörte und der bei uns immer ein verzweifeltes Stöhnen hervorrief. Ich möchte für alle Schülerinnen und Schüler, die jemals Theater gespielt haben und spielen werden, den Spruch in einen erfreulicheren umwandeln: "Theatre days are the best days of your life".

Einen herzlichen Dank an alle, die dieses Jahr dabei waren und an die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13: Viel Glück im Abitur und viel Erfolg im Leben nach der Schule!

Dale Komander