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Im neunzehnten und auch
noch in den ersten Jahren des zwanzigsten
Jahrhunderts wurden
die Worte "Home Sweet Home" von zahllosen
jungen Mädchen auf feinstes Leinen gestickt, als Beweis ihrer Nähkunst und auch ihrer
Bereitschaft dem späteren Ehemann ein Zuhause
voller Liebe, Zuneigung und Treue zu
bieten. Nun hat aber das englische Wort "home" zwei
Bedeutungen: "Zuhause" - oder "Heim", wie
Kinderheim, "Altersheim" oder "Pfelgeheim". Ich habe letztere
Variante kennen gelernt, als meine 95-jährige Mutter, nach drei Hüftoperationen und doch
auf keinen Fall bereit bei einem ihrer Kinder zu
wohnen, ein Zimmer in
einem Alters- und Pflegeheim in einer Stadt an
der Südküste
Englands bekam.
Dort haben wir sie zwei Jahre lang bis
zu ihrem Tod im Jahre
1998 in den Ferien besucht und haben so ein
südostenglisches
Alters- und Pflegeheim kennen gelernt. In diesen zwei
Jahren haben wir mitbekommen,
dass das Personal "aus Kostengründen"
ständig abgebaut
wurde, dass die alten Leute keine Möglichkeit hatten
das Gebäude zu
verlassen, dass trotz der vielen Kirchen in der Stadt
- kein Pfarrer zu Besuch
kam, manchmal nicht einmal ein Familienmitglied.
Die Schwestern und Krankenpfleger
taten ihr Bestes, und die "Matron"
war allemal menschlicher
als die, die in unserem Stück eine Rolle spielt,
aber es war angeblich nicht genug Geld da, um den alten Menschen Geborgenheit und einen
schönen Lebensabend zu gewährleisten. Die Gebühren für das Heim
waren allerdings sehr hoch, sodass man das Gefühl hatte, wenigstens das
Essen hätte besser sein können. Es erinnerte
mich an das grauenvolle "school dinner",
das ich 13 Jahre lang hinunterwürgen musste. Die alten Leute wurden nicht unterhalten, es gab keine
Bücher, es sei
denn, sie brachten sie selber mit, es wurde einfach nicht dafür gesorgt,
dass sie Freude am Leben hatten.
Wir schätzen, der
Besitzer des Heims hat
an den Heimbewohnern seht gut verdient.
Das diesjährige
Theaterstück des englischen Theaterkurses "The
Understudies" vom Friedrich-Spee-Gymnasium
in Rüthen spielt in
einem der englischen
Seniorenheimen, die ihren Bewohnern alles
andere als ein 'Zuhause'
bieten: Die alten Menschen werden mit
Medikamenten ruhig gehalten,
das Essen ist von schlechter Qualität, es wird nichts für
die Unterhaltung der Heimbewohner getan. Mr
Benedikt Bagshot,
der Besitzer des Seniorenheims, ist nur daran interessiert
so viel Geld wie möglich in die eigene Tasche zu wirtschaften;
die Sorgen und Ängste seiner Schützlinge interessieren ihn überhaupt nicht. Kräftig
unterstützt wird er von der intoleranten, gemeinen,
rassistischen Oberschwester
(Matron). Als aber der Rentner John
Wellington von seinem
Sohn ins Seniorenheim abgeschoben wird, beginnt
die Lage sich zu ändern. Mit seiner Hilfe schafft es die rüstige Seniorin Maria Fitzgerald,
ehemalige Schauspielerin und ewige Rebellin, eine
Party für die anderen
alten Leute zu organisieren, die allerdings rüde
von Bagshot, Matron
und Wellingtons Sohn unterbrochen wird. Nun
sind aber die Heimbewohner
endlich aus ihrem Dämmerzustand erwacht,
und sie rächen
sich an den Menschen, die sie so lieblos behandelt haben.
Einige Mitglieder der "Understudies" arbeiten in ihrer Freizeit in einem
Altersheim und haben
so die Möglichkeit alte Menschen zu beobachten,
was sich für das
Verständnis der eigenen Rolle als sehr nützlich erwies.
Vielleicht haben sie
so die Heimbewohner auch besser zu verstehen gelernt. Wie Fitz von
den anderen sagt: "Sie überlebten den Krieg. Sie
lachten und weinten
und liebten und lebten. Und jetzt? Keiner will etwas
von ihnen wissen. Sie
sitzen im Bus, und die nächste Haltestelle ist das
Grab."
Unsere Gesellschaft mit der tatkräftigen Unterstützung der
Politiker, die zunehmend
von den Geschäftemachern unserer Welt sich
beeinflussen lassen
ist zu einer Gesellschaft der Jugend geworden,
bloß weil man
erkannt hat, dass Jugendliche Geld haben, nicht weil man
sie schätzt oder
gar liebt. Immer häufiger werden alte Menschen aus der Gesellschaft verdrängt,
immer weniger "Kinder" sehen sich in der
Lage da die Berufstätigkeit
beider Partner zur Regel und finanziellen
Notwendigkeit geworden ist ihre alten Eltern zu pflegen. Wissenschaftler behaupten, dass
es bis Ende des 21. Jahrhunderts möglich sein wird
die Lebenserwartung
der Menschen in den so genannten Industrieländern
auf über 100 Jahre
anzuheben hoffentlich machen diese Herrschaften
sich auch darüber
Gedanken, ob und wie die Gesellschaft diesen uralten
Menschen einen würdevollen
Lebensabend bereiten kann.
Zu den 'Understudies':
Der Kurs setzt sich dieses Jahr aus Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 10 - 13
zusammen; 13 Mädchen und 5 Jungen spielen in
unserem Stück mit.Wir freuen uns sehr, dass Mr Crew auch bereit war
wieder eine Rolle zu
übernehmen. Ursprünglich sollte Benedikt Schulte in
der Rolle des schrecklichen
Bagshots glänzen - leider machte ihm (und
somit auch uns) eine
langwierige Krankheit einen Strich durch die Rechnung.
Lieber Benedikt, wir
hoffen, dass es dir bald wieder gut geht! Zu
unserer Erleichterung
und Freude wurde erst zehn Wochen vor der
Premiere (!!!) Gregor
Scholz (11) unser neuer Bagshot. Noch weniger Zeit hatte Sabrina Schwermer
(11) um die Rolle der Köchin zu lernen, aber
sie hat es auch super
geschafft.
Glückwunsch an diese beiden, und auch an
alle anderen, die in
monatelanger Arbeit ihre Rollen zum Leben erweckten. |
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