plays - 1999/2000 - "Home Sweet Home"

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Im neunzehnten und auch noch in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die Worte "Home Sweet Home" von zahllosen jungen Mädchen auf feinstes Leinen gestickt, als Beweis ihrer Nähkunst und auch ihrer Bereitschaft dem späteren Ehemann ein Zuhause
voller Liebe, Zuneigung und Treue zu bieten. Nun hat aber das englische Wort "home" zwei Bedeutungen: "Zuhause" -  oder "Heim", wie Kinderheim, "Altersheim" oder "Pfelgeheim". Ich habe letztere Variante kennen gelernt, als meine 95-jährige Mutter, nach drei Hüftoperationen und doch auf keinen Fall bereit bei einem ihrer Kinder zu
wohnen, ein Zimmer in einem Alters- und Pflegeheim in einer Stadt an der Südküste Englands bekam.

Dort haben wir sie zwei Jahre lang bis zu ihrem Tod im Jahre 1998 in den Ferien besucht und haben so ein südostenglisches Alters- und Pflegeheim kennen gelernt. In diesen zwei Jahren haben wir mitbekommen, dass das Personal "aus Kostengründen" ständig abgebaut wurde, dass die alten Leute keine Möglichkeit hatten
das Gebäude zu verlassen, dass trotz der vielen Kirchen in der Stadt - kein Pfarrer zu Besuch kam, manchmal nicht einmal ein Familienmitglied. Die Schwestern und Krankenpfleger taten ihr Bestes, und die "Matron" war allemal menschlicher als die, die in unserem Stück eine Rolle spielt, aber es war angeblich nicht genug Geld da, um den alten Menschen Geborgenheit und einen schönen Lebensabend zu gewährleisten. Die Gebühren für das Heim waren allerdings sehr hoch, sodass man das Gefühl hatte, wenigstens das Essen hätte besser sein können. Es erinnerte mich an das grauenvolle "school dinner", das ich 13 Jahre lang hinunterwürgen musste. Die alten Leute wurden nicht unterhalten, es gab keine Bücher, es sei denn, sie brachten sie selber mit, es wurde einfach nicht dafür gesorgt, dass sie Freude am Leben hatten.

Wir schätzen, der
Besitzer des Heims hat an den Heimbewohnern seht gut verdient. Das diesjährige Theaterstück des englischen Theaterkurses "The Understudies" vom Friedrich-Spee-Gymnasium in Rüthen  spielt in einem der englischen Seniorenheimen, die ihren Bewohnern alles andere als ein 'Zuhause' bieten: Die alten Menschen werden mit Medikamenten ruhig gehalten, das Essen ist von schlechter Qualität, es wird nichts für die Unterhaltung der Heimbewohner getan. Mr Benedikt Bagshot, der Besitzer des Seniorenheims, ist nur daran interessiert so viel Geld wie möglich in die eigene Tasche zu wirtschaften; die Sorgen und Ängste seiner Schützlinge interessieren ihn überhaupt nicht. Kräftig unterstützt wird er von der intoleranten, gemeinen, rassistischen Oberschwester (Matron). Als aber der Rentner John Wellington von seinem Sohn ins Seniorenheim abgeschoben wird, beginnt die Lage sich zu ändern. Mit seiner Hilfe schafft es die rüstige Seniorin Maria Fitzgerald, ehemalige Schauspielerin und  ewige Rebellin, eine Party für die anderen alten Leute zu organisieren, die allerdings rüde von Bagshot, Matron und Wellingtons Sohn unterbrochen wird. Nun sind aber die Heimbewohner endlich aus ihrem Dämmerzustand erwacht, und sie rächen sich an den Menschen, die sie so lieblos behandelt haben.

Einige Mitglieder der "Understudies" arbeiten in ihrer Freizeit in einem
Altersheim und haben so die Möglichkeit alte Menschen zu beobachten, was sich für das Verständnis der eigenen Rolle als sehr nützlich erwies. Vielleicht haben sie so die Heimbewohner auch besser zu verstehen gelernt. Wie Fitz von den anderen sagt: "Sie überlebten den Krieg. Sie lachten und weinten und liebten und lebten. Und jetzt? Keiner will etwas von ihnen wissen. Sie sitzen im Bus, und die nächste Haltestelle ist das Grab."

Unsere Gesellschaft mit der tatkräftigen Unterstützung der
Politiker, die zunehmend von den Geschäftemachern unserer Welt sich beeinflussen lassen ist zu einer Gesellschaft der Jugend geworden, bloß weil man erkannt hat, dass Jugendliche Geld haben, nicht weil man sie schätzt oder gar liebt. Immer häufiger werden alte Menschen aus der Gesellschaft verdrängt, immer weniger "Kinder" sehen sich in der Lage da die Berufstätigkeit beider Partner zur Regel und finanziellen Notwendigkeit geworden ist ihre alten Eltern zu pflegen. Wissenschaftler behaupten, dass es bis Ende des 21. Jahrhunderts möglich sein wird die Lebenserwartung der Menschen in den so genannten Industrieländern auf über 100 Jahre anzuheben hoffentlich machen diese Herrschaften sich auch darüber Gedanken, ob und wie die Gesellschaft diesen uralten Menschen einen würdevollen Lebensabend bereiten kann.

Zu den 'Understudies': Der Kurs setzt sich dieses Jahr aus Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 10 - 13 zusammen;   13 Mädchen und 5 Jungen spielen in unserem Stück mit.Wir freuen uns sehr, dass Mr Crew auch bereit war wieder eine Rolle zu übernehmen. Ursprünglich sollte Benedikt Schulte in der Rolle des schrecklichen  Bagshots glänzen - leider machte ihm (und somit auch uns) eine langwierige Krankheit einen Strich durch die Rechnung.

Lieber Benedikt, wir hoffen, dass es dir bald wieder gut geht! Zu
unserer Erleichterung und Freude wurde erst zehn Wochen  vor der Premiere (!!!) Gregor Scholz (11) unser neuer Bagshot. Noch weniger Zeit hatte Sabrina Schwermer (11) um die Rolle der Köchin zu lernen, aber sie hat es auch super geschafft.

Glückwunsch an diese beiden, und auch an alle anderen, die in monatelanger Arbeit ihre Rollen zum Leben erweckten.